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Sicherheitsforschung am CISPA

Von CISPA • S. Weisgerber

Das „Center for IT-Security, Privacy and Accountability“ (CISPA) in Saarbrücken ist eines der führenden Forschungszentren für IT-Sicherheit in Europa. An dem im Jahr 2011 gegründeten Zentrum forschen mehr als 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Themen der IT-Sicherheit und des Schutzes der Privatsphäre. Am CISPA beteiligt sind sowohl die Universität des Saarlandes, die Max-Planck-Institute für Informatik und für Softwaresysteme als auch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

483 Views 27.06.2016

Der stetige Wandel hin zu einer Digitalen Gesellschaft erfordert zwingend verlässlich sichere Kommunikation und IT-Systeme. Egal ob Industrie 4.0, dem Internet der (smarten) Dinge, elektronischem Zahlungsverkehr oder autonomen Fahrzeugen – alle diese Innovationen funktionieren nur, wenn wir unsere IT-Systeme und Kommunikationsinfrastruktur sicher betreiben. Leider steigt mit der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung unseres Lebens auch das Risiko für Angriffe. Als Folge davon erscheinen täglich Meldungen über kritische Softwarefehler, Datenverluste und Angriffe auf Informationstechnik – angefangen beim Netzwerk des Bundestags über an das Internet angeschlossene Kraftwerke bis hin zu vernetzten Fahrzeugen. Diese wachsende Digitalisierung und Vernetzung in Wirtschaft und Alltag stellen die IT-Sicherheitsforschung vor eine noch nie da gewesene Herausforderung.

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Dieser stellt sich das CISPA, indem es neue Methoden und Technologien entwickelt, die beweisbare Sicherheitsgarantien liefern können. Professor Michael Backes, Direktor des CISPA, unterstreicht die langfristige Perspektive der Forschung: "Die IT-Sicherheitsforschung darf nicht darauf reduziert werden, dass sie sich ein Katz- und Mausspiel mit den Angreifern liefert." Es reiche nicht aus, nur die Symptome in den Blick zu nehmen und einen Hackerangriff nach dem anderen abzuwehren. "Wir müssen neue Wege gehen, um einen digitalen Schutz in einer immer stärker vernetzten Welt zu ermöglichen. Es gilt, neuartige Systeme und Infrastrukturen zu erforschen, die verlässliche Sicherheitsgarantien bereits in ihrem Design verankern", so Backes. Auch in der Datenverarbeitung müsse man neue Pfade beschreiten, damit die Bürger in einem ersten Schritt verstehen könnten, welche Konsequenzen die Preisgabe ihrer Daten habe, um ihnen dann als weiteren Schritt die Hoheit über ihre eigenen Daten zurückzugeben. "Beides ist nur mit langfristig orientierter Grundlagenforschung zu realisieren", sagt Backes.

Dabei haben die Forscher auch immer den Anwendungsbezug ihrer Forschung im Blick. Daher ist einer der Schwerpunkte der Forschung am CISPA die Datensicherheit von Smartphones und deren Einsatz sowohl im privaten als auch im Firmenumfeld. Laut aktuellen Untersuchungen der US-amerikanischen Sicherheitsfirma "Appthority" spionieren mehr als 88 Prozent der für den Einsatz in Unternehmen geschriebenen Android-Apps in irgendeiner Form Daten aus. Forscher des CISPA haben daher in einem ihrer jüngsten Forschungsprojekte eine Anwendung entwickelt, mit deren Hilfe Anwender und Unternehmen verfolgen können, was in verdächtigen Apps passiert. "TaintArtist" wurde nach dem Prinzip des "Taint Tracking" entwickelt, das einer Farbpulver-Explosion zwischen Geldscheinbündeln nach einem Bankraub ähnelt. Durch diese neue Entwicklung, ist es jedem Anwender möglich, den Informationsfluss analysieren zu lassen und sich so vor unfreiwilligen Fremdzugriffen auf private Informationen zu schützen. Im Fall von „Bring your own Device“ – wenn Angestellte im Unternehmen ihre eigenen Geräte verwenden – kann das Unternehmen mit der "TaintArtist" App sicherstellen, dass bestimmte Daten das Gerät nicht verlassen.

Erfolgreiche Forschungsprojekte des CISPA werden regelmäßig in Kooperation mit interessierten Unternehmen oder durch die Spin-Offs des Zentrums bis zur Produktreife weiterentwickelt und angeboten.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das CISPA mit mehr 21 Millionen Euro seit seiner Gründung 2011. Weitere Erfolge der Saarbrücker IT-Forschung belegen ebenfalls den ausgezeichneten Ruf des Zentrums. 2014 erhielten Forscher des CISPA den mit 10 Millionen Euro dotierten höchsten Forschungspreis der Europäischen Union, den ERC Synergy Grant. Die Deutsche Forschungsgesellschaft fördert die Privacy-Forschung am CISPA im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs „Methoden und Instrumente zum Verständnis und zur Kontrolle von Datenschutz “ mit 8,4 Millionen Euro.