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Polizei des Saar­landes

Potenziale mobiler IT-Lösungen im Rahmen der Verkehrsunfallaufnahme

Jährlich nimmt die Polizei des Saarlandes ca. 33.000 Verkehrsunfälle auf. Um Einsatzkräfte bei Verwaltungsarbeiten zu entlasten, untersucht das Projekt „Mobile Verkehrsunfallaufnahme bei der Polizei des Saarlandes“ Verbesserungspotenziale durch den Einsatz mobiler Endgeräte im Rahmen der Verkehrsunfallaufnahme, entwickelt mobile Lösungen und erprobt diese im polizeilichen Einsatz. Beteiligt sind das Ministerium für Inneres und Sport, das Landespolizeipräsidium Saarland mit seinem Infrastruktur-Dienstleister, dem Landesbetrieb Daten und Information, die Polizeiinspektion Saarlouis, die Microsoft Deutschland GmbH, die icomedias GmbH, die Accenture Deutschland GmbH, die Avanade Deutschland GmbH sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI GmbH). Im Rahmen erster vorläufiger Auswertungen der wissenschaftlichen Begleitforschung ergaben sich fallabhängig Zeiteinsparungen im zweistelligen Prozentbereich. Die gewonnene Zeit steht der Polizei dann für andere Tätigkeiten zur Verfügung, z. B. Streifendienste für eine stärkere Präsenz.

6.345K Views 08.11.2016

Von den ca. 33.000 Verkehrsunfällen, die jedes Jahr von der Polizei im Saarland aufgenommen werden, sind rund 28.000 sogenannte „einfache“ Unfälle. Es handelt sich dabei um Unfälle ohne Personenschaden, ohne Alkoholeinfluss, ohne schwerwiegenden Sachschaden und um Unfälle, die nicht als Straftat eingeschätzt werden. In der gängigen Praxis werden hier aktuell sämtliche Unfalldaten vor Ort mithilfe handschriftlicher Notizen, Skizzen sowie in Form von Fotos aufgenommen und zu einem späteren Zeitpunkt in das polizeiliche Vorgangsbearbeitungssystem (POLADIS) eingegeben. In POLADIS erfolgt dann die weitere polizeiliche Sachbearbeitung auf der Grundlage der erfassten Daten. In diesem Zusammenhang kommt es zu Medienbrüchen, die in unnötigem Mehraufwand und auch in Erfassungsfehlern resultieren können.

Um die Einsatzkräfte bei Verwaltungsarbeiten zu entlasten, untersucht das Projekt mit dem internen Titel „VU-App – Mobile Verkehrsunfallerfassung bei der Polizei des Saarlandes“ bis zum Ende des Jahres Verbesserungspotentiale durch den Einsatz mobiler Endgeräte im Rahmen der Verkehrsunfallaufnahme. Dabei wurde eine mobile Lösung auf der Grundlage des Systems HybridForms entwickelt, die aktuell im polizeilichen Einsatz im Saarland erprobt und evaluiert wird.

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Der Einsatz mobiler Endgeräte bei der Unfallaufnahme erleichtert nicht nur die Datenerfassung vor Ort, sondern ermöglicht auch eine stärkere Integration des gesamten Verwaltungsprozesses. Mit diesem Digitalisierungsschritt kann der aktuelle Prozessaufwand deutlich reduziert werden und die Polizei kann sich stärker auf wesentliche Aufgaben konzentrieren.

Professor Dr. Peter Loos, Institut für Wirtschaftsinformatik im DFKI und Universität des Saarlandes

Am Projekt beteiligt sind das Ministerium für Inneres und Sport, das Landespolizeipräsidium Saarland mit seinem Infrastruktur-Dienstleister, dem Landesbetrieb Daten und Information, die Polizeiinspektion Saarlouis, die icomedias GmbH, die Microsoft Deutschland GmbH, die Accenture Deutschland GmbH, die Avanade Deutschland GmbH sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI GmbH).

Es werden neben der Reduktion von Datenerfassungsfehlern insbesondere erhebliche Potentiale für Zeitersparnisse im Backoffice der Polizei erwartet, da mit einer neu zur Verfügung gestellten Schnittstelle zu POLADIS die nachträgliche manuelle Datenerfassung entfällt. Durch diesen Digitalisierungsschritt kann somit eine ganzheitliche Prozessverbesserung ermöglicht werden.

Die mobile Unfallaufnahme ermöglicht die Erfassung der Daten direkt am Unfallort. Durch die Übermittlung per App werden unsere Polizistinnen und Polizisten von der Papierarbeit entlastet, können eine höhere Präsenz auf den Straßen zeigen. Die Zeit, die wir hier also an administrativem Aufwand freisetzen, kann effektiv in den Schutz der Bürgerinnen und Bürger investiert werden.

Minister Klaus Bouillon

Im Rahmen erster vorläufiger Auswertungen der wissenschaftlichen Begleitforschung durch das DFKI, die sich insbesondere auf die Themen Usability und Effizienzgewinne bei den Unfallaufnahmeprozessen konzentrieren, wurden die erwarteten Effizienzpotentiale deutlich. Es können sich nach ersten Einschätzungen fallabhängig Zeiteinsparungen im zweistelligen Prozentbereich ergeben. Die gewonnene Zeit steht der Polizei dann für andere Tätigkeiten zur Verfügung, sie kann diese effektiv z. B. im Rahmen von Streifendiensten zur Präsenz nutzen. Zugleich vermeidet man Fehler beim „Abtippen“ und die Datenqualität wird besser.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie (Proof of Concept) werden im Rahmen des nationalen IT-Gipfels am 16.November 2016 vor der Staatskanzlei in Saarbrücken vorgestellt.

Hier gehen wir im Saarland einen neuen Weg. Wir investieren nicht kosten- und zeitintensiv in bestehende Fachanwendungen, sondern bilden Geschäftsprozesse – hier die Verkehrsunfallaufnahme – zukunftsorientiert, „App-tauglich“ sowie bediener- und anwenderfreundlich ab.

Staatssekretär Jürgen Lennartz, Chef der Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Saarlandes beim Bund sowie CIO des Saarlandes

 

Ansprechpartner

Prof. Dr. Peter Loos

e-Mail: loos@iwi.dfki.de

Tel.: +49 (681) 85775-3106

Constantin Houy

e-Mail: constantin.houy@iwi.dfki.de

Tel.: +49 (681) 85775-5244

Sharam Dadashnia

e-Mail: sharam.dadashnia@iwi.dfki.de

Tel.: +49 (681) 85775-5336

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