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Indus­trie 4.0

Industriepolitische Leitlinie des Saarlandes: Digitalisierung und Technologie­transfer

Von SAARland IndustrieLAND | 13. Mai 2016 • Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr

Die Initiative "Saarland - Industrieland" unter Führung der Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr veröffentlicht in ihren industriepolitischen Leitlinien Konzepte zum Thema "Wie wir mit Industrie Zukunft gewinnen". In diesem Zusammenhang spielt die Digitalisierung der Produktion sowie der Technologietransfer unter dem Schlagwort Industrie 4.0 eine entscheidende Rolle.

388 Views 17.06.2016

Zurück in die Zukunft - Die Digitalisierung der Produktion (Industrie 4.0)

Der digitale Wandel erfasst die deutsche Wirtschaft auf ganzer Breite. Die fortschreitende Digitalisierung ist einer der Megatrends und Innovationstreiber des 21. Jahrhunderts. Betroffen sind alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche. Nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom bewertet eine deutliche Mehrheit der befragten Unternehmen den digitalen Wandel positiv. Analysen der Prognos AG zeigen, dass die Digitalisierung im Zeitraum 1998–2012 für 0,6 Prozentpunkte der jahresdurchschnittlichen Wachstumsrate der Bruttowertschöpfung in Deutschland verantwortlich war. Damit machte die Digitalisierung in den vergangenen Jahren bereits annähernd die Hälfte des gesamten Wirtschaftswachstums aus.

Das Volumen der digitalisierten Daten wächst exponentiell. Bis zum Jahr 2020 werden 50 Milliarden Dinge mit dem Internet verbunden sein.

Im industriellen Kontext steht der Begriff „Industrie 4.0“ für die Verbindung der digitalen Welt mit den konventionellen Prozessen und Diensten der produzierenden Wirtschaft. Nach einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wird allein das volkswirtschaftliche Potenzial von Industrie 4.0 für Deutschland in den nächsten fünf Jahren auf 153,5 Mrd. Euro geschätzt. Daran wollen wir im Saarland partizipieren.

"Saarlands Wirtschaft 2030"

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die produzierenden Unternehmen im Saarland künftig deutlich höhere Investitionen tätigen müssen, um von der fortschreitenden Digitalisierung zu profitieren. Hierfür sollen sie die entsprechende Unterstützung aus Politik und Wissenschaft erhalten. 

Prognos empfiehlt zur Erweiterung bestehender Wertschöpfungsketten ein auf die spezifischen Stärken der saarländischen Leitmärkte ausgerichtetes Ansiedlungskonzept. Im Hinblick auf die vielfältigen Cross-Innovation-Potenziale wird zudem angeregt, eine stärkere cross-sektorale Vernetzung zwischen den saarländischen Leitmärkten und beispielsweise die crosssektorale Zusammenarbeit in FuE-Förderprojekten zwischen Automotive- und IKT-Unternehmen zu realisieren. Auch diese Vorschläge sollen umgesetzt werden. 

Unser Weg in die Zukunft besteht in der weiteren Entwicklung und Umsetzung einer digitalen Industriepolitik für das Saarland, um insbesondere den industriellen Mittelstand – und auch die dort Beschäftigten – bei der digitalen Transformation zu begleiten. Wir werden 

  • die beim Kompetenzzentrum „Power4Production“ (P4P) verorteten Aufgaben gemeinsam mit den relevanten Akteuren weiter ausarbeiten und ausgestalten

  • bei P4P ein praxisnahes Unternehmensnetzwerk zur Behandlung von Fragestellungen rund um das Thema Industrie 4.0 aufbauen. 

  • den „Bund Neue Arbeitswelt Saar“ zur gemeinsamen Gestaltung der Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 durch Sozialpartner, Wissenschaft und Politik etablieren. 

  • zur Verbesserung der Finanzierungsbedingungen u. a. für digitale Anlageinvestitionen beitragen, etwa durch stärkere Attrahierung von überregionalem Kapital und Fördermitteln. 

  • neue bzw. vorhandene Formen interdisziplinärer Zusammenarbeit im Saarland unterstützen, auch um neue Wertschöpfungspotenziale zu schaffen – sei es im Kontext neuer Geschäftsmodelle oder im Bereich additiver Fertigung. 

  • cross-sektorale Zusammenarbeit insbesondere zwischen den Stakeholdern der saarländischen Leitmärkte durch einen regelmäßigen Austausch fördern. 

  • die digitale Bildung unterstützen durch 

    • die Stärkung von Fort- und Weiterbildungsangeboten für Beschäftigte im Bereich Industrie 4.0,

    • die Verankerung digitaler Bildungsinhalte in allen Bildungsbereichen, so z. B. auch Ausbildungs- und Studienordnungen und

    • die Umsetzung eines Maßnahmenpakets zum Thema Cybersicherheit. 

Wissen ist Macht - Technologietransfer durch Kommunikation und Kooperation. 

Investitionen in Forschung und Innovationen sind für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrieunternehmen unerlässlich. Sie tragen dazu bei, Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Gleichzeitig stärken sie die Innovations- und Wirtschaftskraft. Für die wirtschaftliche, aber auch gesellschaftliche Zukunft ist es wichtig, wie gut es uns gelingt, innovative Ideen zu verwirklichen und zukunftsfähige Lösungen für Herausforderungen, wie beispielsweise die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche, zu entwickeln. 

Die technologische Machbarkeit muss in die betriebliche Anwendung kommen und in den betriebswirtschaftlichen Erfolg.

Während Großunternehmen ihre Innovationsintensität erhöhen, wurde dieser Bereich bei den KMU in den vergangenen fünf Jahren deutlich zurückgefahren, wie die Innovationserhebung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zeigt. Aber gerade die Innovationsaktivitäten von KMU sind für Wachstum und Beschäftigung unverzichtbar, denn diese Unternehmen bilden das wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Rückgrat unseres Standortes.

"Saarlands Wirtschaft 2030"

Auch die Prognos AG sieht in ihrer Studie Innovationen als Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und daher als wichtigen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Saarlandes. Das Sichtbarmachen der saarländischen Kreativwirtschaft und das Vernetzen mit den identifizierten Leitmärkten könne wichtige Innovationsimpulse setzen. Die Prognos AG empfiehlt dementsprechend die gezielte Weiterentwicklung des „kreativzentrum.saar“.

Des Weiteren müssen auch die FuE-Aktivitäten insbesondere von KMU stimuliert werden. Eine zentrale Maßnahme hierzu ist die Intensivierung des Wissens- und Technologietransfers zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Die Digitalisierung der Produktion ist, so Prognos, einer der elementarsten Faktoren für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Saarland. Mit dem Kompetenzzentrum „Power4Production“ (P4P) wird den Unternehmen im Saarland wichtige Unterstützung bei dieser Aufgabe geboten. Neben Hilfestellung bezüglich der technologischen Machbarkeit wird auch der Handlungsschwerpunkt Qualifizierung aufgegriffen: Die Weiterentwicklung des Aus- und Weiterbildungsangebotes von den allgemeinbildenden Schulen über die Berufsausbildung, Hochschullehre bis hin zur Qualifizierung der Beschäftigten muss sich am Puls des technologischen und digitalen Fortschritts orientieren.

Wir werden

  • den Mittelstand als Rückgrat unserer Wirtschaft stärken und durch die Erhöhung der Innovationsfähigkeit einen unserer wesentlichen Standortvorteile erhalten. Dazu werden wir das Aktionsprogramm für kleine und mittlere Unternehmen im Hinblick auf die geschilderten Handlungsnotwendigkeiten fortschreiben und die entsprechenden Maßnahmen in Umsetzung bringen. 

  • uns dafür einsetzen, dass kleinen und mittleren Unternehmen über Kooperationen auch für anlassbezogene Forschungsprojekte der Zugang zu Ausstattung und Fachkräften besser ermöglicht wird. 

  • aktiv die Vernetzung von Unternehmen mit der Kreativwirtschaft unterstützen. 

  • eine Plattform schaffen, die Wirtschaft und Wissenschaft so zusammenbringt, dass potenzielle Kooperationsmöglichkeiten transparent und konkrete Vorhaben an geeignete Partner vermittelt werden können. 

  • Best-Practice-Beispiele öffentlichkeitswirksam darstellen, um den Mehrwert der Partner durch Kooperationen deutlich zu machen und mehr Unternehmen zum Austausch mit der Wissenschaft zu motivieren. 

  • das neu eingerichtete „Forum Industrie und Wissenschaft“ zu einem Ort machen, der Hochschulen und Unternehmen des Landes enger miteinander verzahnt. 

  • zur Förderung der Kompetenzen innovativer Produktionstechnologien auch Weiterbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte und Bausteine zur Ergänzung der überbetrieblichen Ausbildung unterstützen. 

  • über die Themen Digitalisierung, Produktionstechnologien und Industriestandort Saarland bereits in allgemeinbildenden Schulen informieren und ein positives Bewusstsein für unseren Standort schaffen.