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Sprach­technologie

Beruf und Sprache lernen in nur einem Schritt

Von Welstay International GmbH • Dr. Christian Ege

Zuwanderer brauchen für die Berufsausbildung Lerninhalte, die sie verstehen können. Wer noch nicht gut Deutsch spricht, muss viele Hürden bei der beruflichen Qualifikation und Entwicklung meistern. Parallele Berufs- und Sprachausbildung überfordern viele Unternehmen. Dabei liegen fast die meisten Inhalte längst vor - allerdings in deutscher Originalfassung. Sprachtechnologien bieten jetzt eine innovative Lösung: Content and Language Integrated Learning.

664 Views 15.11.2016

Wer sich hierzulande für einen Beruf qualifizieren will, sollte gut Deutsch können – denn in der Berufsschule und im Betrieb wird so gesprochen. Die meisten Lernmaterialien liegen in deutscher Originalfassung vor. Deshalb kommen Zuwanderer und Menschen mit Migrationshintergrund beruflich und gesellschaftlich nur im Gleichlauf mit ihren Sprachkenntnissen weiter.

Wer gut Deutsch spricht, kann sich früher ausbilden lassen

Wer die „Fremdsprache“ Deutsch noch nicht ausreichend beherrscht, besucht einen Sprachkurs – falls ein Platz zur Verfügung steht. Dort lernt man Wörter, Grammatik, Lesen, Sprechen. Man lernt Teile des Fahrrads kennen, Einkaufen im Supermarkt, Wortschatz für den Arztbesuch. Die straffen Lehrpläne lassen individuelle Fachinhalte und Berufssprachen kaum zu. So werden Jahre vergehen bis ein guter Teil der Zuwanderer sich beruflich qualifizieren und besser in die Gesellschaft integrieren kann. Arbeit ist dafür der wichtigste Generator. Die Politik ist darüber zu Recht in Sorge.

Zuwanderer brauchen Lerninhalte, die sie verstehen können

Die Berufsausbildung muss in Deutschland wahrlich nicht neu erfunden werden, allerdings sprachlich viel leichter zugänglich sein. Alleine die Übersetzung und Bereitstellung von Aus- und Weiterbildungsinhalten in Flüchtlingssprachen würde Milliarden verschlingen. Dennoch wären die Lerneffekte für Beruf, Sprache und Arbeitsalltag eher gering. Denn die Betroffenen sollen ja Deutsch und den Beruf lernen und in der Praxis anwenden.

Vorbild Skandinavien: Untertitel in der Landessprache

In Skandinavien gibt es ein bewährtes Prinzip, von dem Deutschland sich etwas abschauen kann. Per Untertitel lernen Menschen dort Englisch einfach beim Fernsehen: mit Filmen, Serien oder Dokumentationen. Dabei begreifen sie einfache wie komplexe Zusammenhänge und verbessern en-passant ihren Wortschatz. Übertragen auf die Integration der Zuwanderer, bietet dieses Prinzip für Deutschland einen Doppelnutzen: berufliche Qualifikation und Sprachkompetenz können in einem Schritt erworben werden.
Die meisten beruflichen Bildungsmaterialien liegen allerdings nicht als Film sondern in Textform vor. Damit diese Lerninhalte zur beruflichen Qualifizierung taugen, müssen Lerner sie Wort für Wort lesen und mit der genauen Bedeutung in ihrer Muttersprache verstehen können. Solange ihre Deutsch-kenntnisse dafür nicht ausreichen, müssen sie Unmengen an Wörtern nachschlagen, richtigen Bedeutungen auf die Spur kommen, Vokabelhefte pflegen. Ein zeitraubender, nervtötender Prozess.

Beruf und Sprache lernen in nur einem Schritt (Content and Language Integrated Learning)

Zuwanderer brauchen eine Lernwelt 4.0 für Beruf und Alltag mit Untertiteln in ihrer Muttersprache, damit sie sich qualifizieren, Land und Kultur besser verstehen und Sprachkenntnisse verbessern können. Innovative Sprachtechnologien aus Deutschland bieten dafür einsatzbereite Lösungen an. Mit diesen werden Inhalte aller Art und Medien parallel in vielen Sprachen verständlich und lernbar.

Für Zuwanderer wird damit das weite Feld der beruflichen Aus- und Weiterbildung eröffnet, ihre Anstrengungen in den Sprach- und Integrationskursen lassen sich gezielt mit beruflichen Inhalten ergänzen und Unternehmen wie Berufsschulen können dafür bestehende Materialien einfach neu weiternutzen – zusätzlich in einer fremden Sprache. Vor allem wird die Ausbildung von Zuwanderern für Unternehmen attraktiver. Mit vielfältigen Möglichkeiten, den neu erlernten Wissens- und Wortschatz direkt anzuwenden.

Digitale Bildung als Wirtschaftsfaktor für Deutschland und das Saarland

Je schneller es gelingt, durch Digitalisierung die berufliche Vorbereitung und Qualifizierung von Zuwanderern wirksam zu unterstützen, desto früher entstehen spürbare Integrationserfolge in Wirtschaft und Gesellschaft. Das gilt gleichermaßen auch für Deutsche, die sich in der englischen Sprache verbessern wollen.
Damit bildet sich ein großes Anwendungsfeld heraus, mit dem sich hervorragende IT-Lösungen aus Deutschland und dem Saarland ein großes Stück vom weltweiten Wachstumsmarkt Sprache erschließen können: Content and Language Integrated Learning. Investitionen in Deutschland zahlten sich gleich mehrfach aus. Dafür müssen die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft beim Nationalen IT Gipfel die Weichen stellen.

Dr. Christian Ege, 46, ist Geschäftsführer der Welstay International GmbH, Saarbrücken.

Zuvor war er fünf Jahre lang CDU Staatssekretär für Wirtschaft im Saarland.