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Preis­verleihung

Saarländische Staatskanzlei zeichnet Informatik-Journalisten aus

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, haben den von der saarländischen Staatskanzlei ausgelobten Journalistenpreis Informatik an der Universität des Saarlandes verliehen. Die drei Hauptpreise gehen an die freie Journalistin Eva Wolfangel für ihren Artikel "Die perfekte Erinnerung" in der Wochenzeitung „Die Zeit“, an Frank Grotelüschen für seinen Hörfunkbeitrag im Deutschlandfunk und an ein Journalisten-Team für eine Ausgabe der Sendung „Quarks & Caspers“ im Westdeutschen Rundfunk. Einen von der Saarbrücker Informatik gestifteten Sonderpreis erhält Sophie Dezlhofer für einen Hörfunkbeitrag, der im Bayerischen Rundfunk gesendet wurde.

605 Views 15.11.2016

"Komplizierte Forschungsergebnisse einfach auszudrücken", dass sei die besondere Leistung der Informatik-Journalisten, sagte Staatssekretärin Quennet-Thielen in ihrer Ansprache zur 10. Verleihung des Journalistenpreises Informatik an der Universität des Saarlandes. Und auch Prof. Backes, mit dem Institut CISPA an der Universität Gastgeber der Veranstaltung, ergänzte: "Auf der einen Seite gilt es zu simplifizieren, auf der anderen Seite die Zusammenhänge wissenschaftlich korrekt darzustellen." Um dieses Spagat zu vollbringen, braucht es Qualitätsjournalismus, und deshalb werden mit dem Journalistenpreis Informatik exzellente Beispiele dafür gewürdigt. Im Jahr 2006 wurde er zum ersten Mal ausgelobt. Und auch in diesem Jahr gab es wieder viele hochkarätige Einsendungen von zahlreichen führenden deutschsprachigen Medien. Die Preisverleihung fand als Auftakt des Rahmenprogramms zum zehnten Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung in Saarbrücken statt. Daher verlieh die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer den Preis dieses Jahr zusammen mit der Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung Cornelia Quennet-Thielen.

Gestiftet wurden die drei Hauptpreise in Höhe von jeweils 5.000 Euro von der saarländischen Staatskanzlei. Die Organisation der Verleihung geschieht in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Informatik der Universität des Saarlandes. Ziel des Journalistenpreises ist es, Beiträge zu honorieren, die in der breiten Öffentlichkeit das Interesse für Themen der Informatik wecken und sich mit den Chancen und Risiken der Informationstechnologie auseinandersetzen. Dieses Jahr haben sich 69 Journalisten gleich mit mehreren Beiträgen um den Journalistenpreis Informatik beworben. In der Kategorie Print bewertete die Jury 56 Artikel, in der Kategorie Hörfunk 21 Beiträge und in der Kategorie Fernsehen zehn Sendungen.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer

Der Journalistenpreis Informatik würdigt den internationalen Wissenschaftsstandort Saarland und lenkt die Aufmerksamkeit auf die leistungsstarke Informatik, die dies verdient.

Um was ging es in den Beiträgen der Preisträger? In dem Print-Beitrag von Eva Wolfangel "Die perfekte Erinnerung" ging es um das Thema "Livelogging", das nahezu lückenlose Erfassen und Dokumentieren des eigenen Lebens im Internet. Investigativ wurde analysiert, welche Folgen dieses Erfassen für den Menschen haben kann, gleichzeitig ist die Journalistin dabei selbst zum Objekt der Erfassung geworden. In dem von der Jury ausgezeichneten Hörfunk-Beitrag von Frank Grotelüschen ging es um den Quantencomputer und die Auswirkungen auf unsere Sicherheit und den Schutz der Daten. Aufgezeigt wird, dass Quantencomputer in Zukunft jeden Verschlüsselungsmechanismus von Daten überwinden können, verbunden mit der Frage, was das für unsere Sicherheit bedeutet. Auch der Fernseh-Beitrag von Wolfgang Lemme widmet sich dem Thema IT-Sicherheit. Im Fokus steht der "Cyberwar" und wo wie im Alltag unsere Türen für Hacker öffnen. Beispiel: Aus einer als Babyphone Ersatz gedachten Barbie können Hacker mit wenigen Kniffen in das Privatleben eindringen und die Barbie zum Abhören nutzen. Aus "Hello Barbie" wird "Abhör-Barbie", heißt es anschaulich im Film. Nicht zuletzt wurde der Sonderpreis einem Hörfunk-Beitrag von Sophie Dezlhofer gewidmet. In dem Hörfunkbeitrag geht es um die Akzeptanz von Frauen in der IT-Branche. "#IlooklikeanEngineer" war der Hashtag einer Programmiererin, die in San Francisco Werbung für Jobs ihres Arbeitgebers machte, und die mit dieser Werbung eine umfangreiche Diskussion im Social Web erzeugte.

Die Preisträger des Journalistenpreises Informatik 2016 im Einzelnen:

Hauptpreis Print (5.000 Euro):

Der Hauptpreis Print geht an die freie Journalistin Eva Wolfangel für ihren Artikel „Die perfekte Erinnerung“, erschienen am 21. Januar 2016 in der Wochenzeitung „Die Zeit“, nachzulesen hier

Begründung der Jury: „Die Autorin berichtet über Softwaresysteme, die Menschen im Alltag als Erweiterung ihres Gedächtnisses, ihres Gehirns dienen sollen. Die Software ist meist auf einem mobilen Mini-Computer installiert, der kontinuierlich den jeweiligen Moment über Mikrophon aufnimmt oder per Kamera filmt. Zur Recherche besucht die Autorin knapp zwei Jahre hinweg Wissenschaftler, die an solchen Softwaresystemen forschen und diese selber an sich testen. Ihre Fragen sind stets neugierig und gehen weit über das wissenschaftliche Fachgebiet hinaus. Die Wissenschaftler gewähren ihr so auch Einblicke in ihr privates Leben bis hin zum Kontrollverlust gegenüber der Technologie. Da die Autorin die Interviewsituation pointiert schildert, sich auf geschickte Art und Weise mit ihren persönlichen Erfahrungen selber in die Erzählung einbringt, gelingt es ihr, den Moment zu treffen, in dem sich für die Gesellschaft relevante Werte zu ändern drohen. Auf diese Weise regt sie zum Nachdenken an und schafft Raum für eine Diskussion, die dringend notwendig ist.“

Hauptpreis Hörfunk (5.000 Euro):

Den Hauptpreis Hörfunk erhält Frank Grotelüschen für seinen Beitrag „Qubit jagt Dr. No – Neue Codes gegen den Lauschangriff der Quanten“, gesendet am 11. November 2015 in der Reihe „Wissenschaft im Brennpunkt“ im Deutschlandfunk.

Begründung der Jury: „Der Autor greift die Anfang 2014 an das Licht der Öffentlichkeit gedrungene Enthüllung auf, dass der US-amerikanische Geheimdienst NSA an einem neuartigen Rechnertyp arbeitet und geht der Frage nach, welche Folgen sich durch einen solchen Quantencomputer für die IT-Sicherheit der Menschen im Alltag ergeben. Dazu befragt er eine Vielzahl von Forschern an Universitäten und Max-Planck-Instituten in Deutschland und konsultiert ebenfalls Wissenschaftler aus der Schweiz und England. Trotz der Fülle des Materials und der Komplexität des Quantenrechners vermittelt der Autor die neuartige Technologie relativ einfach. Die Jury lobt ausdrücklich den Mut, sich solch einer Herausforderung zu stellen. Indem der Autor nicht nur die aktuellen Fortschritte in der Wissenschaft schildert, sondern auch wichtige Meilensteine aus der Vergangenheit der Kunst um die Ver- und Entschlüsselung nennt, zeichnet der Autor in dem Beitrag ein fundiertes Gesamtbild, mit dessen Hilfe die Hörer die akute Bedrohung nachvollziehen können.“

Hauptpreis Fernsehen (5.000 Euro):

Der Hauptpreis Fernsehen wird verliehen an Axel Bach, Ralph Caspers, Ulf Kneiding, Jakob Kneser, Peter Krachten, Wolfgang Lemme, Carsten Linder, Haluka Maier-Borst, Frank Nischk, Birgit Quastenberg, Jan Rähm und Jörg Schieb. Zusammen haben sie für die Serie „Quarks & Caspers“ die Sendung „Cyberwar – 7 Dinge, die Sie wissen sollten“ produziert. Die 43-minütige Sendung hatte der Westdeutsche Rundfunk am 15. März 2016 ausgestrahlt.

Hauptpreis Fernsehen: "Cyberwar – 7 Dinge, die Sie wissen sollten"
https://www.youtube.com/watch?v=qAYNtoQX1ec

Begründung der Jury: „Mit einer eindringlichen, sehr bunten Bildsprache und einer Vielzahl von unterschiedlichen Beiträgen, angefangen bei einem simulierten Angriff im Labor über die erfundene Geschichte um einen Senior und seine Enkelin bis hin zu investigativ anmutenden Dokumentationen, gelingt es dem Beitrag, nicht nur für IT-Sicherheit zu sensibilisieren, sondern auch die Methoden dahinter zu erklären. Zusammen mit der lebhaften, liebevoll gestalteten Moderation, die das Bindeglied zwischen den einzelnen Beitragsblöcken ist, schafft es der Beitrag, Zuschauer jeden Alters anzusprechen. Selbst Personen, die sich in der Materie gut auskennen, lernen noch etwas.“

Hinweis: Peter Welchering ist Mitglied der Jury und auch an dem ausgezeichneten Beitrag beteiligt. Daher hat er an der Auswahl des Preisträgers in der Kategorie TV zu keinem Zeitpunkt teilgenommen.

Sonderpreis der Saarbrücker Informatik (1.000 Euro):

Der Sonderpreis der Saarbrücker Informatik geht in diesem Jahr an Sophie Dezlhofer für ihren Hörfunkbeitrag „Frauen in der IT-Szene – Warum Code weiblicher werden muss“, ausgestrahlt am 4. Oktober 2015 in der Reihe „Zündfunk Generator“ des Bayerischen Rundfunks (Bayern 2).

Begründung der Jury: „Der Hörfunkbeitrag beleuchtet umfassend ein Thema, das nicht direkt eine neuartige Technologie beschreibt, aber eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung hat. Nicht nur die Computerwissenschaft, sondern auch die Informatik-Industrie profitiert davon, wenn mehr Frauen Software entwickeln. Der Beitrag ist atmosphärisch dicht, seine Analyse scharf. Er überrascht auch, indem er Lösungen aufzeigt, und macht so deutlich: Um aktiv an Programmier-Projekten mitzuarbeiten und sich das Wissen darüber anzueignen, auch um die eigene Lebenssituation zu verbessern, muss man nicht Informatik an einer Universität oder einer Fachhochschule studieren. Es existieren eine Vielzahl von Strukturen außerhalb der klassischen akademischen Lehre.“  

Der Jury des Journalistenpreises gehörten Dr. Ilka Desgranges, Ressortleiterin bei der Saarbrücker Zeitung und Journalismus-Dozentin, Peter Hergersberg, Abteilung Kommunikation der Max-Planck-Gesellschaft, Dr. Wolfgang Pohl, Geschäftsführer der Bundesweiten Informatik-Wettbewerbe, Beatrice Lugger, wissenschaftliche Direktorin des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (NaWik), Martin Schneider, Vorsitzender der Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK) und stellvertretender Leiter der Fernseh-Wissenschaftsredaktion des Südwestrundfunks, Reinhard Wilhelm, Informatik-Professor der Universität des Saarlandes und Gründungsdirektor des Leibniz-Zentrums für Informatik in Schloss Dagstuhl, Peter Welchering, freier Technik- und Wissenschaftsjournalist, und Dr. Christel Weins, Gründerin des Journalistenpreises, an. Die Organisation des Journalistenpreises Informatik übernahm das Kompetenzzentrum Informatik der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Informatik.

„Das Saarland ist ein international anerkanntes Zentrum der Informatik, sowohl durch die Informatik-Forschung und den Exzellenzcluster der Universität als auch die hochkarätigen Forschungsinstitute. Der Journalistenpreis Informatik würdigt den internationalen Wissenschaftsstandort Saarland und lenkt die Aufmerksamkeit auf die leistungsstarke Informatik, die dies verdient“, sagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Das Saarland ist mit seinen rund 2.300 Studierenden im Bereich Informatik an der Universität des Saarlandes sowie Hochschule für Technik und Wirtschaft und seinen mehr als 500 Wissenschaftlern eine bedeutende Kaderschmiede für die Informatik. Mit der internationalen Graduiertenschule der Informatik sowie den beiden Max-Planck-Instituten für Informatik und Softwaresysteme, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und dem Kompetenzzentrum für IT-Sicherheit der Universität des Saarlandes (CISPA) lockt sie Studenten und Doktoranden aus der ganzen Welt nach Saarbrücken.

Preisverleihung
Annegret Kramp-Karrenbauer

Das große Interesse an der Preisverleihung zeugt von der Bedeutung, den dieser Preis in den Jahren seit 2006 erreicht hat.