Startseite > IT-Gipfel
Medien­nutzung

Bildungsminister Commerçon im Gespräch mit teachtoday

Interview von Teachtoday, einer Initiative zu sicheren Mediennutzung der Deutschen Telekom, im Rahmen der Veranstaltung „Digitale Bildung für alle“

511 Views 16.11.2016

Ist Datenschutz ein Thema in Ihrer Familie und in welcher Form?

Ja, klar. Es wird darüber diskutiert. Wir haben gewissen Regeln, wie wir mit dem Datenschutz innerhalb unserer Familie umgehen. Es gibt also klare Vereinbarungen. Meine Tochter guckt mir nicht auf das Handy, ich schaue Ihr nicht auf das Handy. Das sind schon ihre privaten Daten. Wir reden aber auch darüber, worauf man achten muss. Dass man zum Beispiel nicht sofort Fotos posten sollte, oder was es gerade für Probleme gibt.

Wie hat denn die Digitalisierung in Ihrem Leben einzug gehalten?

Ich glaube es fing damit an, dass wir so im 10. Schuljahr - es kame gerade die ersten PC's auf den Markt - irgendwann gesagt haben, wir wollen jetzt eine Informatik-AG in der Schule gründen. Das war ganz lustig, denn wir haben damals den Lehrern gezeigt, wie man in Basic programmiert. Das war so der Anfang. Ganz persönlich: Ich glaube, ich gehöre zur ersten Generation der Studenten, die ihre Magisterarbeit an der Uni direkt mit dem PC geschrieben hat.

Medienbildung, Medienkompetenz: Es gibt zahlreiche Begriffe dafür, dass Schüler Medien besser kennen lernen sollen. Was denken Sie ist hierzu im Schulkontext wichtig?

Wichtig ist meinen Augen vor allem, dass wir keine techniklastige Diskussion führen. Wir müssen den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit geben, zu erfahren, dass sie diejenigen sind, die die Technik zu bestimmen haben und nicht umgekehrt sich von der Technik bestimmen zu lassen. Das ist in meinen Augen das Wichtigste. Das heißt es geht bei Medienbildung und bei digitaler Bildung vor allem auch immer über Persönlichkeitsentwicklung und um das Selbstbewußtsein, als Subjekt in dieser Welt zu sein und sich nicht zum Objekt machen zu lassen.

Gleichzeitig brechen alte und neue Wertvorstellungen auf einfach durch die Digitalisierung. Viele Menschen reden darüber, vor allem auch die Jüngeren. Es geht um den Schutz der Privatsphäre, über Informations- und Meinungsbildung. Sollten solche Diskussionen gefördert werden und welche Themen halten Sie davon für besonders relevant?

Natürlich muss das gefördert werden, wobei ich glaube, dass wir das bei den Jugendlichen nicht großartig anreizen müssen. Die Neugier ist da. Und die Jugendlichen müssen sich auch zu den Fragen die richtigen Antworten suchen können. Was wir in den Schulen viel stärker beachten müssen und worauf wir achten müssen ist, dass wir kompetente Lehrerinnen und Lehrer haben, die auch wissen über was sie reden, so dass sie mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam lernen können.

Sie haben gesagt, bei den Schülern ist das Interesse da. Wie sieht es bei den Erwachsenen aus?

Naja es gibt solche und solche. Aber mein Eindruck ist, dass zumindest was die Lehrerinnen und Lehrer angeht, sie zunehmend offen sind. Diejenigen, die schon lange im Dienst sind, haben sich vielleicht vor 10 Jahren noch wehren wollen, aber das ist schon gar nicht mehr der Fall. Das ist für uns alle so selbstverständlich geworden, dass wir mit digitalen Medien umgehen, so dass ich glaube, dass diese Hürde eigentlich genommen ist.

Wie sollte denn eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Familie aussehen, jetzt im Hinblick auf Digitalisierung und Bildung?

Nicht nur im Hinblick auf auf Digitalisierung und Bildung. Sondern insgesamt sollte die Zusammenarbeit zwischen Schule und Bildung so gestaltet werden, dass alle Beteiligten sich eingeladen fühlen, mitzudiskutieren. Ich glaube, dass die Digitalisierung die Brücke zur Demokratisierung, zur gesellschaftlichen Teilhabe schlägt. Dafür brauchen wir alle, dafür brauchen wir auch die Erziehungsberechtigten, die sich mit einbringen können, dazu brauchen wir aber auch die Möglichkeit, dass Schüler sich im geschützten Raum bewegen können. Ich glaube, es kommt viel stärker darauf an, dass die Menschen miteinander zusammenarbeiten und nicht isoliert nebeneinander zu stehen.

Sie sprechen von Möglichkeiten, die aufgebaut werden sollen. Was meinen Sie, wie ist denn momentan die Lage an Schulen?

Auch da gibt es große Unterschiede zwischen den Schulen, so dass ich das pauschal so gar nicht beantworten kann. Wir haben einige Schulen, bei denen digitale Medien schon längst eingesetzt sind und selbstverständlich für die Unterrichtsgestaltung sind. Und wir haben andere Schulen, bei denen ist das noch nicht so weit entwickelt. Das finde ich aber auch alles nicht schlimm. Entscheidend ist, dass sich Schulgemeinschaften zusammen auf den Weg machen. Dass sie im Blick haben, wie sie ihre Schule in den nächsten Jahren weiterentwickeln wollen. Da erlebe ich überall große Offenheit und die Fragen dabei müssen wir beantworten. Dafür haben wir jetzt einen Wettbewerb ausgelobt, dafür haben wir jetzt zur Lehrerfortbildung ein besonderes Zentrum für Medienkompetenz eingerichtet, um diese Fragen beantworten zu können und die Schulen auf dem Weg begleiten zu können.

Sehen Sie irgendwo eine Grenze? Also "ab hier" wird es zu digital?

Zu digital würde es dann, wenn uns die Steuerungsmöglichkeiten abhanden kommen. Wenn wir nicht mehr diejenigen sind, die auch mal auf den Knopf drücken können. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es wäre dann zu digital, wenn wir diejenigen wären, die sich von der Technik dominieren lassen. Ich bin ganz optimistisch: Menschen sind viel zu selbstbewusst. Sie werden sich das nicht gefallen lassen. Sie wollen selbst die Technik beherrschen, deshalb glaube ich nicht, dass es zu digital werden wird.

Schlagworte